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Anleitung

Hydraulischer Abgleich, Schritt für Schritt

Vom ersten Termin bis zur Bestätigung für den BAFA-Antrag vergehen im Schnitt fünf Werktage. Diese Anleitung führt durch jede Phase, mit Tabellen, Werten und der richtigen Reihenfolge.

Wie bereiten Sie den Abgleich vor?

Bevor der Fachbetrieb das Haus betritt, klären Sie drei Punkte. Das spart Aufnahmezeit und beschleunigt den Antragsweg.

  1. 01 Anlass

    BAFA-Förderung, GEG-Pflicht, Wärmepumpenvorbereitung oder Komfort. Der Anlass entscheidet über das Verfahren.

  2. 02 Verfahren

    Verfahren A für Komfort ohne Förderung, Verfahren B für alles Weitere. Den Vergleich finden Sie auf der Detailseite.

  3. 03 Förderung

    Bei Verfahren B stellen Sie den Antrag online beim BAFA, vor Auftragsvergabe. Details siehe Förderpfad.

Wie nimmt der Fachbetrieb die Anlage auf?

Im Einfamilienhaus verbringt der Fachbetrieb vier bis sechs Stunden vor Ort. Dabei erfasst er alle Heizkörper, Bauteile und Anlagendaten. Die Heizkörperabmessungen werden mit Toleranz von einem Zentimeter aufgenommen, die Vorlauftemperaturen per Anlegethermometer am Vorlaufrohr mit einer Genauigkeit von 0,5 Kelvin.

AufnahmeVerfahren AVerfahren B
Heizkörper GrößeHöhe, Breite, TiefeHöhe, Breite, Tiefe, Typ aus Datenblatt
RäumeFläche, SolltemperaturFläche, Außenwand, Fenster, Lüftungskonzept nach DIN 1946-6, Solltemperatur
BauteileSichtbeurteilungU Werte, Glasart, Wandaufbau
VentileHersteller, Voreinstellung ja oder neinHersteller, Typ, Voreinstellbarkeit, Alter
PumpeHersteller, KlasseHersteller, Klasse, Kennlinie
HeizkurveSteilheit aktuellSteilheit, Parallelverschiebung, Außentemperaturfühler

Wie funktioniert die Berechnung der Voreinstellung?

Im Büro folgt die Berechnung. Software oder Excel ermittelt aus Heizlast, Spreizung und Heizkörperleistung den Volumenstrom je Heizkörper.

Die Spreizung richtet sich nach der Heizungsart. Brennwertkessel laufen mit 15 bis 18 Kelvin, Wärmepumpen mit 5 Kelvin, Fußbodenheizungen mit 5 bis 10 Kelvin.

Volumenstromformel

V = Q / (ΔT × 1,16)

V in l/h, Q als Heizlast in W, ΔT als Spreizung in K. Konstante 1,16 berücksichtigt Dichte und Wärmekapazität von Wasser.

Wie wird die Voreinstellung am Ventil eingestellt?

Sobald die Voreinstellwerte berechnet sind, dreht der Fachbetrieb an jedem Heizkörper das Ventil auf den passenden Wert. Pro Ventil rund fünf Minuten.

Die Voreinstellung ist herstellerspezifisch. Heimeier, Danfoss, Oventrop, IMI und Honeywell nutzen unterschiedliche Skalenringe und Voreinstellschlüssel.

Heimeier V Exact II

Skala von 1 bis 8, Voreinstellschlüssel BD. Wert 4 entspricht etwa 90 l/h bei 1 K Aufstauung.

Danfoss RA N

Skala N1 bis N7, Stellung wird durch Drehen mit Spezialschlüssel gesetzt. N4 etwa 80 l/h.

Oventrop AV9

Skala 1 bis 9, Voreinstellung über Stift. Wert 5 etwa 75 l/h bei Auslegung.

Wie werden Pumpe und Heizkurve angepasst?

Die Pumpe läuft anschließend auf Δp variabel, die Förderhöhe orientiert sich am realen Druckverlust des ungünstigsten Strangs. Die Heizkurve wird flacher gestellt.

Pumpe

Modus Δp variabel, Förderhöhe nach Strangverlust 0,15 bis 0,4 bar im Einfamilienhaus, im Mehrfamilienhaus bis 0,8 bar. Die geringste mögliche Förderhöhe ist die richtige.

Heizkurve

Die Steigung wird abgesenkt: bei Gas-Brennwert von 1,4 auf 1,1, bei Wärmepumpe auf 0,3 bis 0,6. Parallelverschiebung null oder leicht negativ.

Wie lange dauert der Probelauf?

Die Probelaufphase dauert im Einfamilienhaus ein bis zwei Wochen, im Mehrfamilienhaus mindestens drei Wochen, damit unterschiedliche Nutzungsmuster der Wohneinheiten erfasst werden. Innerhalb dieses Zeitraums werden Vorlauftemperatur, Spreizung und Pumpendifferenzdruck nachjustiert, bis die Sollwerte stabil erreicht werden.

Die Probelaufphase ist Pflicht, nicht Kür. In dieser Zeit zeigt sich, ob ein Heizkörper unterversorgt ist oder die Heizkurve weiter abgesenkt werden kann. Die Erkenntnisse fließen in ein Feinjustierungsprotokoll, das gemeinsam mit dem VDZ-Formular an den Eigentümer geht.

Drei Indikatoren stehen im Fokus: Räume erreichen ihre Solltemperatur, der Rücklauf liegt am Brennwertkessel unter 45 Grad, an den Ventilen treten keine Strömungsgeräusche auf.

Was muss in der Dokumentation stehen?

Das VDZ-Formular dokumentiert die Maßnahme. Ohne diese Bestätigung gibt es weder BAFA-Zuschuss noch Eintrag im Energieausweis.

Der Fachbetrieb füllt das VDZ-Formular aus. Bei BEG WG zeichnet der Energieberater mit. Acht Pflichtfelder gehören in jede vollständige Bestätigung:

  • ·Anlagedaten, Heizungsart, Baujahr
  • ·Verfahren A oder B
  • ·Voreinstellwerte je Heizkörper
  • ·Pumpenkennlinie und Δp Einstellung
  • ·Heizkurve und Vorlauftemperatur
  • ·Spreizung Soll und Ist
  • ·BAFA-Antragsnummer (10-stellig)
  • ·Unterschrift Fachbetrieb mit Datum

Das BAFA vergibt die Antragsnummer beim Online-Antrag automatisch im festen zehnstelligen Format. Sie ist Pflichtfeld im VDZ-Formular und im Verwendungsnachweis. Eine falsche oder fehlende Nummer führt regelmäßig zur Ablehnung des Verwendungsnachweises.

Welche Werkzeuge braucht der Fachbetrieb?

Welche Werkzeuge der Fachbetrieb dabei haben sollte und welche Software die Berechnung erleichtert.

Hersteller-Apps

Heimeier, Oventrop und Danfoss bieten kostenlose Apps mit Voreinstelltabellen und Berechnung.

Heizlast-Software

Hottgenroth, IBN, ZUB Helena oder EVEBI für die Berechnung nach DIN EN 12831 in Verfahren B.

Voreinstellschlüssel

Pro Hersteller ein eigener Schlüssel, erhältlich im SHK-Großhandel oder online.

Thermometer

Anlegefühler oder Tauchhülse für Vorlauf und Rücklauf, Genauigkeit 0,5 Kelvin.

Welche hydraulischen Sonderfälle gibt es?

Drei hydraulische Sonderfälle treten regelmäßig auf. Wer sie kennt, vermeidet typische Planungsfehler bei komplexeren Anlagen.

Pufferspeicher

Entkoppelt Wärmeerzeuger und Heizkreis. Bei Wärmepumpe sinnvoll für Mindestumlaufmenge und PV Eigenverbrauch. Pro Quadratmeter Wohnfläche etwa 30 bis 50 Liter Volumen. Beim Abgleich wird die Pumpe sekundärseitig auf den realen Strangverlust ausgelegt.

Mischer

Reduziert die Vorlauftemperatur für Niedertemperaturkreise. Bei Fußbodenheizung Standard, bei Wärmepumpe oft entbehrlich. Der Mischer wird passend zur Heizkurve eingestellt, im Abgleich gemessen mit Vorlauftemperatur am Verteiler.

Hydraulische Weiche

Entkoppelt zwei Wasserkreise hydraulisch, ohne Wärmeverlust. Erforderlich bei Kessel mit hohem Mindestdurchsatz und mehreren Heizkreisen. Im Abgleich braucht es zwei separate Volumenstrom Berechnungen, primär und sekundär.

Sonderfälle erhöhen den Planungsaufwand. Rechnen Sie mit 20 bis 40 Prozent Mehraufwand gegenüber einer einfachen Zweirohr-Heizung ohne Speicher oder Mischer. Die Kostenseite bildet diese Komplexität als Faktor vier ab.

Mehrere Wärmeerzeuger

In Hybridsystemen (Wärmepumpe plus Gas-Brennwert) gehen die Schaltlogiken in den Abgleich ein. Die Wärmepumpe übernimmt im Normalfall, der Brennwertkessel springt nur an Auslegungstagen ein. Heizkurve und Pufferschichtung werden für diesen Übergangspunkt optimiert.

Zeitbedarf nach Anlagentyp

Einfamilienhaus mit zehn Heizkörpern: ein halber Werktag vor Ort, dazu vier Stunden Berechnung und Dokumentation. Mehrfamilienhaus mit 25 Heizkörpern: zwei Tage Aufnahme, ein Tag Berechnung, ein Tag Umsetzung. Gewerbeobjekte mit Mischbetrieb liegen deutlich darüber, oft mit mehrwöchiger Planung.

Die Probelaufphase überlappt mit anderen Arbeiten und braucht keine separaten Werktage. Sie läuft zwei bis vier Wochen ohne Eingriff, am Ende erfolgt eine finale Nachjustierung.

Was nach dem Abgleich passiert

Nach Abschluss erhalten Sie das VDZ-Formular als PDF. Es folgen drei Schritte: BAFA-Verwendungsnachweis hochladen, einen vorhandenen Energieausweis aktualisieren lassen und die Heizungsbestätigung im Feuerstättenbescheid eintragen. Bei einer Verkaufsabsicht ist das aktualisierte Dokument ein Wertvorteil. Käufer prüfen heute gezielt, ob hydraulischer Abgleich und Heizungsoptimierung dokumentiert sind.

Wer beim ersten Mal unsicher ist, beginnt mit einem Energieberater. Ein zweistündiges Vor-Ort-Gespräch klärt Verfahren, Förderpfad und Reihenfolge. Die Beratung wird vom BAFA bezuschusst und ist die preiswerteste Investition vor dem eigentlichen Abgleich.

Wer haftet bei Fehlern in der Umsetzung?

Wird der hydraulische Abgleich durch einen Fachbetrieb durchgeführt, greift die Werkvertrags-Mängelhaftung nach § 634 BGB. Bei Eigenleistung trägt der Eigentümer das volle Risiko.

Fachbetrieb

Werkvertrag und Mängelhaftung

Nachbesserung, Minderung oder Schadensersatz nach § 634 BGB. Bei Bauwerken liegt die Verjährungsfrist nach § 634a Abs. 1 Nr. 2 BGB bei 5 Jahren ab Abnahme.

Energieberater

Planungsleistung haftet 2 Jahre

Reine Beratungs- und Planungsleistungen verjähren nach 2 Jahren. Bei BAFA Anträgen haftet der EEE für die fachlich korrekte Antragstellung.

Material

Hersteller-Gewährleistung 2 Jahre

Voreinstellbare Ventile, Pumpen und Stellantriebe nach § 438 BGB. Bei sichtbaren Mängeln direkt beim Händler reklamieren.

BAFA

Förderrückforderung

Wird im Nachhinein ein nicht durchgeführter Abgleich festgestellt, fordert das BAFA die Förderung zurück, plus Zinsen nach § 49a VwVfG. Die rechtliche Pflichtlage zur Optimierung bleibt unabhängig davon bestehen.

In der Praxis lassen sich Mängel innerhalb der Fünfjahresfrist meist durch Nachbesserung beheben. Wer nach dem Abgleich Komfortprobleme feststellt, etwa weiterhin kalte Räume, meldet sie schriftlich an den Fachbetrieb und verlangt Nachbesserung. Der Werkunternehmer hat dann zwei Versuche, den Mangel abzustellen.

Beispielobjekte zur Veranschaulichung

Konfigurationsbeispiele aus der Beratungspraxis, anonymisiert und auf reine Objektdaten reduziert. Sie zeigen typische Bauarten, Heizflächenzahl und Kostenrahmen und ersetzen keine individuelle Aufnahme vor Ort.

Preis und Förderlogik: BEG EM Richtlinie, BAFA Merkblatt. Hydraulik und Voreinstellung: VDZ Verfahren A und B, Hersteller Datenblätter Heimeier, Oventrop und Danfoss. Einsparbandbreiten orientieren sich an Auswertungen von co2online und dena.

EFH Doppelhaushälfte

110 m², 9 Heizkörper, Verfahren B in 5 Werktagen

Tag 1 Aufnahme vor Ort, Heizlast 6,4 kW. Tag 2 Berechnung mit Hottgenroth ETU, Voreinstellwerte je Heizkörper. Tag 3 Umsetzung, neun Heimeier V Exact II eingestellt, Pumpe Wilo Yonos Pico auf Δp variabel. Tag 4 Heizkurve anpassen, Spreizung kontrollieren. Tag 5 VDZ-Bestätigung und BAFA-Antrag stellen.

Festpreis 790 Euro netto, BAFA-Zuschuss 15 Prozent. Eigenanteil 672 Euro.

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Diese Seiten passen thematisch zum hydraulischen Abgleich und vertiefen einzelne Aspekte.

Häufige Fragen

Antworten auf die Fragen, die wir am häufigsten zur Themenseite bekommen.

Wie lange dauert die Anleitung in der Umsetzung?

Im Einfamilienhaus rechnen Sie mit fünf Werktagen vom ersten Termin bis zur Bestätigung. Vor Ort verbringt der Fachbetrieb etwa einen Arbeitstag, der Rest ist Berechnung im Büro.

Welche Reihenfolge ist die richtige?

Aufnahme, Berechnung, Voreinstellung, Pumpe und Heizkurve, Probelauf, Dokumentation. Wer Schritte überspringt, bekommt am Ende kalte Räume oder falsche Werte.

Wer dokumentiert das VDZ Formular?

Der Fachbetrieb füllt das Formular aus. Bei BEG WG Förderung zeichnet zusätzlich der Energieberater mit. Beide unterschreiben mit Datum und Anschrift.

Wann ist eine Heizkurvenanpassung Pflicht?

Nach jedem Abgleich. Die Heizkurve war vorher meist zu steil eingestellt, damit alle Räume warm wurden. Nach Voreinstellung kann sie deutlich flacher laufen, der Kessel spart Energie.

Was bedeutet Δp variabel?

Die Heizungsumwälzpumpe arbeitet so, dass der Förderdruck dem aktuellen Bedarf folgt. Schließen Ventile, sinkt die Drehzahl. Voraussetzung ist eine Hocheffizienzpumpe der Klasse A.

Wie wird die Förderhöhe der Pumpe bestimmt?

Aus dem Druckverlust des ungünstigsten Strangs. Im Einfamilienhaus reichen 0,15 bis 0,4 bar. Im Mehrfamilienhaus liegen die Werte bis zu 0,8 bar.

Über den Autor

Burak Uzun

Betreiber, redaktionelle Verantwortung · Köln

Verantwortlich für Recherche und Aufbereitung der Inhalte zu hydraulischem Abgleich, Förderung und Pflicht aus § 60c GEG. Quellenbasis sind die BEG EM Richtlinie, das Gebäudeenergiegesetz, DIN EN 12831 sowie das VDZ Bestätigungsformular.

Anbieter und Impressum Kontakt Stand: 9. Juni 2026
Methodik

Über diese Inhalte, Quellen und Aktualisierung

Quellenbasis
  • VDZ Bestätigung Verfahren A und B
  • Hersteller Datenblätter, Heimeier, Oventrop, Danfoss
  • Gebäudeenergiegesetz, § 60c
  • DIN EN 12831, Heizlast
  • co2online und dena, Einspar Auswertungen
  • BEG EM Richtlinie, BMWK
  • BAFA Merkblatt Heizungsoptimierung
Aktualisierung

Inhalte werden überprüft, wenn sich Förderlogik, GEG Vorgaben oder VDZ Formulare ändern. Stand dieser Seite: 9. Juni 2026. Frühere Stände sind über das Impressum nachfragbar.

KI und redaktionelle Prüfung

Recherche und Textentwurf werden durch KI Werkzeuge unterstützt, jede Seite wird vor Veröffentlichung von Burak gegen die genannten Quellen geprüft. Zahlen, Paragrafen und Fördersätze werden bei jeder Aktualisierung gegen die Originalquelle abgeglichen.

Diese Seite ist redaktioneller Ratgeberinhalt, keine Rechts oder Steuerberatung. Für verbindliche Auskünfte gelten BAFA Merkblätter, GEG Wortlaut und Aussagen Ihres Energieberaters.

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